Warum Postkarten schreiben, wenn man auch im Messenger ein Bild schicken kann?
Die Frage stellt sich – wenn auch nicht so sehr uns, die wir da beide Enthusiastinnen sind – heute durchaus. Nicht, dass wir nicht auch (zumindest ein bisschen) die gängigen mobilen Dienste bedienen, aber es geht doch wenig über einen kleinen, handgeschriebenen Gruß.
Regelmäßige Post mag zwar die Freundschaft erhalten – das halten wir für empirisch belegbar bzw. arbeiten mit unseren Karten daran – aber eigentlich steckt hinter ihr immer auch die Demonstration, wo und wer zu sein – nämlich jemand, der unterwegs ist, was sieht und das mit denen Daheim teilt. Die Postkarte ist eine schöne Art, um auf sich aufmerksam zu machen und in die Grüße einzuflechten, dass der Himmel anderswo mindestens genauso blau ist wie zu Hause, die Sonne heller strahlt und alles gleich viel freundlicher ist.
Dass dann – nach der Auswahl des Motivs – auf der Textseite der Karten eigentlich nur Platz für wenige Sätze ist, ist uns immer wieder eine Herausforderung, aber eine willkommene. Es geht kaum um Informationen, eher um einen kurzen Zuruf, etwas Aufmerksamkeit, ein freundliches Bedachtsein. Den Ton in dem man mit den Leuten groovt an die man schreibt, kennt man ohnehin am besten selbst. Für etwas Inspiration: Ein Meister der kreativen Texte war wohl der Schriftsteller Jurek Becker: Seine Anreden sind legendär und reichen von „Ihr Vortrefflichen“ über „Du alte Sondergröße“ bis zu „Du klarer Fall“ ist vieles dabei. Aber warum bloß noch so kreativ – analog und langsam ist die Kommunikation so ja schon!? Dass auf die Postkarten meist kein vollständiger Zwischenstand passt, erschließt sich von selbst. Selbst dann, wenn wir mit sehr spitzem Stift schreiben und auch noch die kleinste Ecke kreativ ausnutzen.
Postkarten sollen und dürfen überraschen und erfüllen darin einen Gutteil ihres Zwecks, zumindest für uns; Das erste Mal, wenn man sie unverhofft im Briefkasten findet, das nächste Mal, wenn man erkennt, wer schreibt und mit dem Lesen beginnt, davon erfährt, was die Lieben woanders so umtreibt. Wir wissen oft sofort, wer schreibt, noch bevor man einen Blick auf den Text geworfen hat: Jorina versieht ihre Karten öfter mit selbstgemachten Stempeln und hat einen Hang zu den Kartenkisten auf Flohmärkten – sie ist der kreative Geist hinter dieser Idee und hat auch das technische Händchen dafür. Janas Karten warten dagegen ab und an mit Kaffeeflecken auf, die wie Inseln im Text stehen – sie ist für die Struktur- und Textarbeit da und führt ihren Kalender wie ihre Postkarten, dicht beschrieben. Die Motive beigesteuert haben wir aber beide, manchmal auch von gemeinsamen Unternehmungen.
Ansonsten schlägt hier wirklich aus, dass wir beide als Sprach- bzw. Kulturwissenschaftlerin wenig für banal und einfach da halten – und uns das eine Freude ist. Also: Zeit, mal wieder eine Postkarte aufzusetzen! Dann steht nur noch die Suche nach Briefmarke und Postkasten an…