Klassische Motive sind oft dicht am Kitsch – Städte und Strände zeigen sich von ihrer besten Seite, manchmal dazu noch ein launiger Spruch und fertig ist die Massenware Urlaubspostkarte, die mancherorts noch in schillernden Farben zu Hunderten darauf warten, beschrieben und versandt zu werden. Solche Bilder – schillernd, inszeniert, und dazu mit den ewig gleichen Ansichten – wollten wir nicht. Nicht, dass unsere Reise-, Studien- oder Forschungsziele der letzten Jahre keine schönen und auch kitschige Seiten hätten und wir diese Art von Karten nicht verschicken würden, ganz im Gegenteil, aber die gibt es eben schon zuhauf.
Die von uns ausgewählten Motive stammen aus unseren persönlichen Fotoarchiven (aka Handyordnern) und hauptsächlich aus Ost- und Südosteuropa. Viele der Fotos haben wir uns auch schon einmal digital geschickt und immer mal wieder gedacht, „das wäre doch eine tolle Postkarte“. Aus den großen Mengen von Fotos die finale Auswahl zu treffen, war nicht ganz einfach, entsprechen doch alle Motive einer oder mehreren Geschichten, die wir auf einer Postkarte erzählen könnten.
In der Auswahl „licht & schatten“ gibt es zum Beispiel eine Ansicht vom Kulturhaus in Bender gerade bevor die Lichter für die Besucher:innengruppe eingeschaltet wurden. Das ist etwas worüber Jana zu dem Motiv erzählen könnte. Jorina würde wahrscheinlich über andere Orte mit diesen leicht durchscheinenden, gerafften Vorhängen schreiben. Zum Beispiel über Opernbesuche in Moldau inmitten von herausgeputzen Freundinnengruppen mit kunstvollen Hochsteckfrisuren und glitzerndem Schmuck. Und wahrscheinlich habt ihr jeweils eigene Assoziation, wenn ihr die Karte in Händen haltet.
Wir hoffen, dass die Motive euch die Gelegenheit geben, sie mit euren eigenen Bildern und Erfahrungen zu füllen. Also: Mut zum anderen Blick auf die Dinge, die seltener vor die Linse treten und dabei vielleicht die größeren Aussagen über den Rahmen, in dem man sich gerade bewegt, parat haben.